
Die Diskussion um US Cloud Anbieter, Datenschutz und digitale Souveränität nimmt wieder Fahrt auf. Nicht zuletzt durch aktuelle Anhörungen, geopolitische Spannungen und eine wachsende Unsicherheit im Markt. Was dabei auffällt: Viele Debattenbeiträge wirken einseitig, überzeichnet und oft interessengeleitet. Unternehmen, die sich nun zu Wort melden, sind häufig selbst wirtschaftlich involviert, etwa durch Dienstleistungen rund um Migration, Sicherheit oder Exitstrategien. Daran ist grundsätzlich nichts auszusetzen, sollte aber offen benannt werden.
Gleichzeitig entsteht der Eindruck, als ob man erst jetzt die Risiken erkannt hätte. Dabei lagen die Fakten seit Jahren auf dem Tisch. Dennoch stürzen sich nun alle wie Haie auf ein Thema, das schon lange hätte ernst genommen werden müssen. Natürlich müssen Risiken bei veränderten Rahmenbedingungen neu bewertet werden, das ist legitim und notwendig.
Doch was wir aktuell erleben, ist mehr als nur eine kritische Neubewertung. Es ist das gezielte Schüren von Angst, oft verbunden mit moralischen Vorwürfen gegenüber jenen, die frühzeitig strategische Cloud Entscheidungen getroffen haben. Europäische Unternehmen, die in den letzten Jahren IT Strategien entwickelt, Budgets investiert und den Weg in die Cloud beschritten haben, werden plötzlich pauschal als naiv oder blauäugig dargestellt. Das ist weder sachlich noch gerecht.
Die Realität ist: Grosse europäische Akteure wie die Telekom bauen gemeinsam mit Nvidia aus den USA Rechenzentren. SAP agiert mit starker Präsenz über SAP America. Regierungen setzen auf AWS. Selbst Institutionen wie die Bundeswehr oder das BSI nutzen Google Infrastruktur. Und während die EU in der Öffentlichkeit Datenschutz hochhält, trifft sie sich gleichzeitig mit China, einem Land, das seit Jahrzehnten als strategischer Spion gilt, aber wirtschaftlich unverzichtbar ist.
Europa hat die Entwicklung im Cloud Bereich verschlafen. Statt frühzeitig eigene Lösungen zu stärken, versucht man nun hektisch den Anschluss zu finden. Was fehlt, ist ein klarer regulatorischer Rahmen. Die EU regelt detailverliebt Bananen und Gurken, scheut aber vor einer einfachen Festlegung zurück: Wenn ein Cloud Anbieter in Europa nachweislich spioniert oder kopiert, verliert er die Zulassung. Das wäre ein klares Signal – an Anbieter wie an Partnerregierungen.
Doch solange solche Entscheidungen von politischer Unsicherheit und wirtschaftlicher Rücksichtnahme geprägt sind, bleibt die digitale Souveränität Europas eine leere Worthülse.